Ambivalenz beschreibt einen inneren Zustand, in dem unterschiedliche Tendenzen gleichzeitig wirksam sind. Ein Teil möchte etwas verändern, während ein anderer Teil am Bestehenden festhält. Dieses gleichzeitige „Hin und Her“ wird oft als belastend erlebt, weil es Entscheidungen erschwert und Bewegung scheinbar blockiert.
Im therapeutischen Kontext zeigt sich Ambivalenz jedoch nicht als Störung, sondern als Ausdruck innerer Dynamik. Unterschiedliche Anteile verfolgen jeweils eine eigene Logik. Sie stehen nicht zufällig nebeneinander, sondern sind in der Regel an Erfahrungen, Bewertungen und Schutzmechanismen gebunden, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben.
Der Wunsch nach Veränderung entsteht häufig aus einem Erleben von Enge, Unzufriedenheit oder innerem Druck. Gleichzeitig kann das Festhalten am Vertrauten eine wichtige stabilisierende Funktion haben. Es schützt vor Unsicherheit, Überforderung oder dem Verlust von etwas, das bisher Halt gegeben hat.
Ambivalenz macht sichtbar, dass Veränderung nicht eindimensional verläuft. Sie entsteht nicht dadurch, dass ein Anteil „überwunden“ wird, sondern dadurch, dass die unterschiedlichen inneren Bewegungen verstanden und in Beziehung zueinander gebracht werden. Erst in diesem Prozess kann sich eine stimmige neue Ausrichtung entwickeln.
Anstatt Ambivalenz vorschnell auflösen zu wollen, kann es hilfreich sein, sie als Hinweis auf einen inneren Klärungsprozess zu betrachten. Sie zeigt, dass bereits Bewegung im System vorhanden ist – auch wenn diese zunächst widersprüchlich erscheint.
Wer beginnt, beide Seiten ernst zu nehmen, schafft die Grundlage dafür, dass sich innere Spannungen neu organisieren können. Aus dieser Klärung heraus entsteht häufig eine Form von Entscheidung, die nicht erzwungen ist, sondern sich aus dem eigenen Erleben heraus ergibt.
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Hier können Sie sie anhören:https://youtu.be/14szn_MxBUs
Ihre
Margit Ennen