Margit
Ennen

Praxis für Hypnosetherapie
& Psychotherapie mit
traumasensiblem Schwerpunkt

Momo von Michael Ende – was zwei Figuren uns über seelische Veränderung lehren

14. 7. 2026

Momo von Michael Ende – was zwei Figuren uns über seelische Veränderung lehren

Es gibt Bücher, die wir lesen. Und es gibt Bücher, die uns ein Leben lang begleiten. Für mich gehört Momo von Michael Ende zu diesen besonderen Büchern.

Jedes Mal entdecke ich etwas Neues. Mit den Jahren sind es vor allem zwei Figuren geworden, die mich tief berühren: Momo und Beppo Straßenkehrer.

Beide erinnern mich an etwas, das auch meine therapeutische Arbeit prägt.

Momo besitzt eine besondere Gabe.

Durch ihre Art zuzuhören entsteht ein Raum, in dem Menschen wieder mit sich selbst in Kontakt kommen. Gedanken ordnen sich. Gefühle dürfen ihren Platz finden. Antworten entstehen aus dem eigenen Erleben heraus.

Beim Lesen habe ich oft den Eindruck, dass Momo den Menschen nichts gibt, was sie vorher nicht schon in sich getragen hätten. Sie hilft ihnen vielmehr, wieder Zugang zu dem zu finden, was unter Sorgen, Ängsten oder dem Lärm des Alltags verborgen war.

Mich berührt dieser Gedanke sehr.

Denn genau so erlebe ich Veränderung auch in der Therapie. Nachhaltige Veränderung entsteht selten dadurch, dass wir von außen neue Lösungen erhalten. Sie beginnt dort, wo wir wieder Zugang zu unseren eigenen Möglichkeiten finden.

Ebenso bewegt mich Beppo Straßenkehrer.

Er erzählt, dass man niemals die ganze Straße auf einmal kehren kann. Wer ständig auf den langen Weg schaut, verliert leicht den Mut. Deshalb richtet Beppo seine Aufmerksamkeit auf den nächsten Besenstrich. Dann auf den nächsten. Und noch einen.

Irgendwann ist die Straße gekehrt.

In diesem Bild erkenne ich viele therapeutische Prozesse wieder.

Menschen kommen häufig mit dem Gefühl, ihr Leben auf einmal verändern zu müssen. Sie sehen die vielen Verletzungen, die schwierigen Erfahrungen oder die Herausforderungen, die noch vor ihnen liegen.

Veränderung beginnt jedoch an einem viel kleineren Ort.

Mit dem nächsten Gedanken.

Mit dem nächsten Gefühl, das wahrgenommen werden darf.

Mit einer neuen Erfahrung.

Mit einem einzigen Schritt.

Und genau aus diesen kleinen Schritten entsteht mit der Zeit ein neuer Weg.

Warum mich dieses Buch bis heute begleitet

Vielleicht liebe ich Momo deshalb seit so vielen Jahren.

Das Buch erinnert mich daran, dass Entwicklung Zeit braucht. Dass ein Mensch wachsen kann, wenn er sich verstanden fühlt. Und dass Veränderung oft dort beginnt, wo wir wieder mit uns selbst in Kontakt kommen.

Momo schenkt Menschen einen Raum, in dem sie sich selbst begegnen.

Beppo erinnert daran, dass jeder Weg mit dem nächsten Schritt beginnt.

Ich glaube, beide erzählen auf ihre Weise dieselbe Geschichte:

Veränderung lässt sich nicht erzwingen.

Sie wächst – Schritt für Schritt.

Ihre

Margit Ennen

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