Zugehörigkeit ist etwas, das wir alle brauchen. Wir möchten dazugehören. Gemeint sein. Einen Platz haben, an dem wir uns nicht erklären müssen.
Und doch machen viele Menschen früh eine Erfahrung, über die selten gesprochen wird. Dass Zugehörigkeit nicht einfach selbstverständlich ist. Dass sie entstehen kann, wenn wir uns auf eine bestimmte Weise verhalten. Wenn wir uns anpassen. Wenn wir so sind, dass wir angenommen werden können.
Das geschieht nicht bewusst. Es ist keine Entscheidung. Es ist eher ein inneres Lernen. Ein Kind spürt sehr genau, wann es willkommen ist und wann nicht. Und es beginnt, sich an dem zu orientieren, was Verbindung möglich macht.
So lernen wir, bestimmte Seiten von uns zu zeigen und andere zurückzuhalten. Nicht, weil sie nicht zu uns gehören. Sondern weil wir spüren, dass sie keinen sicheren Platz haben.
Nach außen wirkt das Leben oft ganz stimmig. Diese Menschen kommen zurecht. Sie sind verlässlich. Sie finden ihren Weg. Und doch bleibt innerlich manchmal ein Gefühl, das schwer zu greifen ist. Ein Gefühl, nicht ganz gemeint zu sein. Nicht ganz da zu sein.
Viele können sehr gut wahrnehmen, was andere brauchen. Sie sind aufmerksam. Feinfühlig. Doch der Kontakt zu dem, was sie selbst empfinden, ist dabei oft in den Hintergrund getreten. Nicht, weil es verschwunden wäre. Sondern weil es lange nicht im Mittelpunkt stehen konnte.
Es gibt dieses Märchen vom hässlichen Entlein. Es erzählt von einem Küken, das anders ist als die anderen. Es passt nicht richtig hinein. Es spürt, dass es nicht dazugehört. Und es versucht, seinen Platz zu finden. Es geht weiter. Es sucht. Und bleibt doch fremd.
Erst als es sein eigenes Spiegelbild sieht, verändert sich etwas. Nicht, weil es jemand anderes wird. Sondern weil es erkennt, wer es ist. Es war nie ein falsches Entlein. Es war ein Schwan.
In diesem Moment muss es sich nicht mehr anpassen, um dazuzugehören. Sein Anderssein verliert den Charakter eines Mangels. Es wird zu einem Teil seiner selbst.
In meiner therapeutischen Arbeit begegnet mir dieser Prozess immer wieder. Menschen beginnen zu erkennen, dass sie sich selbst nicht verloren haben. Dass das, was sie lange zurückgehalten haben, noch da ist. Und dass Zugehörigkeit nicht daraus entsteht, sich selbst zu verlassen, sondern daraus, sich selbst näherzukommen.
Zugehörigkeit bedeutet dann nicht mehr, überall dazuzugehören. Sondern dort, wo das Eigene einen Platz haben darf.
Wenn Sie sich in diesen Gedanken wiederfinden, können Sie dazu auch meine Podcastfolge hören.
Sie trägt den Titel:
Das Missverständnis von Anpassung und Zugehörigkeit
Hier können Sie die Folge anhören:https://youtu.be/TDIX4OWLgdI
Ihre
Margit Ennen
